Von Benjamin Hilger
WOHNFORMEN Wie Dörfer lebendig und zukunftsfähig aussehen können
Zur Infoveranstaltung „Zukunftsfähige Wohnformen für lebendige Dörfer“, empfing der „Aktionskreis lebendige Dörfer Soonwald-Nahe“ Bürger der Landkreise Bad Kreuznach und Rhein-Hunsrück in der „Deutscher-Michel-Halle“. VG-Bürgermeisterin Anke Denker, die auch Sprecherin des Aktionskreises ist, freute sich über den guten Zuspruch.
Der seit drei Jahren agierende Zusammenschluss hat sich die Unterstützung von Gemeinden beim Erhalt der dörflichen Gemeinschaft auf die Fahne geschrieben. Bisher wurden hierzu bereits einige Leitfäden - etwa zur Leerstandskatastererfassung - herausgegeben. Wie zukunftsfähige Wohnformen aussehen können, stellten Vertreter von drei verschiedenen Projekten - das WohnArt-Projekt Bad Kreuznach, der Wohnhof Kastellaun und die virtuelle Wohngemeinschaft - vor. Alle basieren auf einem gemeinschaftlichen aber selbstbestimmten Miteinander.
Das WohnArt-Projekt wird als generationsübergreifende Wohneinheit kreiert. Hierzu entsteht derzeit im Musikerviertel in Bad Kreuznach ein Mehrfamilienhaus, welches so angelegt ist, dass einige Räume und Flächen gemeinsam genutzt werden. Unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam“ soll eine lebendige Nachbarschaft gelebt werden können. Die Mitglieder sollen sich gegenseitig helfen, sei es bei der Gartenpflege oder dem Wechsel einer Glühbirne. Trotz der Gemeinschaftsräume und des Gartens besteht jederzeit die Möglichkeit, sich in seine Wohnung zurückzuziehen. Die Nachfrage für das Projekt sei da, jedoch seien junge Familien recht schwer zu finden, die sich an diesem Wohnprojekt beteiligen wollen.
Der Wohnhof in Kastellaun ist der Zusammenschluss von sieben Personen, die gemeinsam fünf Wohnungen auf einer Grundstücksfläche in der Hunsrückgemeinde bauten. Viele Flächen werden gemeinsam genutzt und man hilft sich aktiv. Dennoch hat die Privatsphäre hinter der eigenen Haustür einen wichtigen Stellenwert. „Wer im Hof auf einer Bank sitzt, der freut sich über Gesprächspartner. Wer auf seiner eigenen Veranda sitzt, der will gefragt werden, ob er Zeit hat“, sagte Dieter Ney, einer der Wohnhofbewohner.
Ein anderes Modell ist die virtuelle Wohngemeinschaft, wie sie in Külz gelebt wird. Ortsbürgermeister Aloys Schneider wusste, dass Senioren so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben möchten. Das Modell Külz ermöglicht dies. Derzeit praktizieren 17 Mitglieder in unmittelbarer Nachbarschaft im Ortsteil Gass eine virtuelle Wohngemeinschaft. Die Altersspanne reicht von 54 bis 82 Jahren. In einem Gemeinschaftsraum besteht auch hier Gelegenheit sich auszutauschen oder andere um Hilfe zu bitten. Virtuell ist man zudem durch ein von der Firma RootconnecT aus Simmern entwickeltem Programm miteinander verbunden. Unterstützt wird dieses Projekt auch durch eine gute Dorfgemeinschaft in Külz.